Ideensammlung Einleitung 1 (4a)

Auf die Frage, wie eine Gemeinschaft beschaffen sein soll, um unsere vier Zielstellungen nachhaltig anzustreben, gibt es eine Vielzahl unterschiedlich genauer Antworten.

Die genauest mögliche, erst einmal profan und abstrakt klingende Antwort erscheint mir folgende zu sein:

Auf der Erde dürfen möglichst wenige Menschen leben, deren persönliches Interesse jenen vier Zielen widerspricht UND die eine Macht auf sich konzentrieren können, ihre eigenen Gegeninteressen durchzusetzen.

Auf den ersten Blick erscheint das unlösbar, weil es eine Auseinandersetzung mit menschlichem Egoismus darstellt. Egoismus ist aber eine Form des Selbsterhaltungstriebs. Der zumindest ist natürlich und unendlich.

Egoismus ist aber eben nur EINE Form des Selbsterhaltungstriebs – und nicht einmal auf der Ebene des Barbarentums die einzige. Mit der Entwicklung des Verstandes wachsen dann aber besonders die Potenzen der zweiten Form, nämlich der symbiotischen Kooperation. Wenn ich dazu beitrage, dass es dir besser geht, hast du tendenziell weniger Grund zu Handlungen, durch die es mir schlechter ginge. Immer neue Einigungen zum gegenseitigen Vorteil.

Es sollte einleuchten, dass solches Handeln bei denkenden Verstandeswesen tendenziell zunimmt. Theoretisch logisch könnte es erst ab einem bestimmten Denkniveau auftauchen. Man muss ja den gemeinsamen Vorteil prognostizieren können. Die Evolution baute allerdings die Brücke des Zufalls, der irgendwann Vorzüge von Rudeln zeigte. Denken verläuft in mehreren Stufen / Ebenen. Da gibt es eben auch eine Prognose, dass wenn insgesamt nicht genug da zu sein scheint, man als Einzelner vom Wenigen für sich genug hätte, wenn man seinen Partner „ausschaltet“. Dass es immer ein planbares, für alle Partner Gewinn bringendes kooperatives Konzept gibt, setzt bei allen beteiligten ein gewisses Maß Verstand voraus.

 

Nun stellt sich die Frage, was steht dem entgegen.

Auf der Ebene der „Menschheit“ die sich aus Eigentum ergebenden Interessen. Dabei ist weniger jenes Eigentum gemeint, das man selbst nutzt (also das ganz „persönliche“), sondern im Wesentlichen nur das expandierende (das „Privateigentum an Produktionsmitteln“, die zum Erwirtschaften von Profit eingesetzt werden).

In dem Moment, in dem ich etwas, was ich zur Vermehrung meines Besitzes Arbeitendes auf einen Markt schicke – egal, ob es um den Verkauf des Produktes geht oder um den Kauf seiner nicht in meinem Besitz befindlichen Vorstufen – sind alle anderen „Marktteilnehmer“ meine Gegner, also objektiv, von meinen persönlichen Wünschen unabhängig. Kooperation kann für mich nur Mittel zum Besiegen eines Teils dieser Gegnerschaft sein. Das hat nichts mit meinem Charakter zu tun. Ein Zusammenhang mit individuellem Charakter ist höchstens umgekehrt gegeben: Je konsequenter ich meine Vorteile gegen den Rest der Welt ausschöpfe, umso größer erscheinen meine Chancen, die „Gegner“ zu besiegen.

Diese objektive Schranke betrifft alles, wird zum Grundprinzip des Zusammenlebens. Auch Staaten, deren Aufgabe ja ist, auf ihrem Einflussbereich die selbstzerstörerischen Kräfte dieses allgemeinen Egoismus an der Totalentfaltung zum Chaos zu hindern, unterliegen demselben Druck. Jeder „Marktteilnehmer“ ist versucht, sich in seinem Bereich Rahmenbedingungen zu sichern, die seine Macht zementieren oder erweitern. Objektiv besteht kein Grund, warum ein Luftverschmutzer, der die Erwärmung der Atmosphäre verursacht, Kosten zur Behebung des von ihm verursachten Schadens aufbringen sollte, wenn das die Konkurrenzfähigkeit der eigenen Erzeugnisse mindern könnte, wenn der abzusehende Schaden nur darin besteht, dass ein anderes Land unterm Meer verschwindet oder von mehr Unwettern heimgesucht wird, und er preiswerter ein Gutachten bekommen kann, das ihm seine Unschuld bescheinigt..

Rüstungsgüter werden so lange produziert, sofern sie Profit erbringen – wie jedes anderes „Gut“ auch. Nur ist dies eines jener Sonderfälle, wo sich die Produktion eines Bedarfs in vielfältiger Weise lohnt.

Man sollte den „natürlichen Grad“ Egoismus bei jedem Handeln nicht leugnen, aber äußere Umstände können ihn eben fördern oder in seiner Wirkung dämpfen. Egoismus fördernd wirkt eben, wenn die Gesamtanlage des (wirtschaftlichen) Zusammenlebens auf die Auslese eines jeweils Stärkeren zielt, jeder also um den Erhalt seines Status gegen alle anderen kämpfen muss. Dies ist in einer Gesellschaft gegeben, in der die „Produktionsmittel“ in privatem Eigentum eingebunden sind, durch das Menschen für ihr Überleben gezwungen sind, sich selbst an dieses Eigentum zu verkaufen. Im Gegensatz zum herkömmlichen Marxismus meine ich damit sowohl den Arbeiter, der seine Arbeitskraft verkauft als auch den Besitzer, den sein Eigentum zu einer bestimmten Handlungsweise zwingt, will er bleiben, was er ist.

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Veröffentlicht am 4. Januar 2014, in Unausgegorenes. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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