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Sagen wird man über unsre Tage (S. 40)

 sagen wird man über unsre tage

den einen wettbewerb

den hatten sie verloren

groß war ihr mund

die kehle ohne frage

jedoch den mahnenden verwehrten sie die ohren

sie kauten schwer und lange noch an diesem erbe

doch erst durch ihren neuen anbeginn

so ist nun mal das menschliche gewerbe

bekamen Marx und Einstein endlich sinn

Ideensammlung Einleitung 1 (4a)

Auf die Frage, wie eine Gemeinschaft beschaffen sein soll, um unsere vier Zielstellungen nachhaltig anzustreben, gibt es eine Vielzahl unterschiedlich genauer Antworten.

Die genauest mögliche, erst einmal profan und abstrakt klingende Antwort erscheint mir folgende zu sein:

Auf der Erde dürfen möglichst wenige Menschen leben, deren persönliches Interesse jenen vier Zielen widerspricht UND die eine Macht auf sich konzentrieren können, ihre eigenen Gegeninteressen durchzusetzen.

Auf den ersten Blick erscheint das unlösbar, weil es eine Auseinandersetzung mit menschlichem Egoismus darstellt. Egoismus ist aber eine Form des Selbsterhaltungstriebs. Der zumindest ist natürlich und unendlich.

Egoismus ist aber eben nur EINE Form des Selbsterhaltungstriebs – und nicht einmal auf der Ebene des Barbarentums die einzige. Mit der Entwicklung des Verstandes wachsen dann aber besonders die Potenzen der zweiten Form, nämlich der symbiotischen Kooperation. Wenn ich dazu beitrage, dass es dir besser geht, hast du tendenziell weniger Grund zu Handlungen, durch die es mir schlechter ginge. Immer neue Einigungen zum gegenseitigen Vorteil.

Es sollte einleuchten, dass solches Handeln bei denkenden Verstandeswesen tendenziell zunimmt. Theoretisch logisch könnte es erst ab einem bestimmten Denkniveau auftauchen. Man muss ja den gemeinsamen Vorteil prognostizieren können. Die Evolution baute allerdings die Brücke des Zufalls, der irgendwann Vorzüge von Rudeln zeigte. Denken verläuft in mehreren Stufen / Ebenen. Da gibt es eben auch eine Prognose, dass wenn insgesamt nicht genug da zu sein scheint, man als Einzelner vom Wenigen für sich genug hätte, wenn man seinen Partner „ausschaltet“. Dass es immer ein planbares, für alle Partner Gewinn bringendes kooperatives Konzept gibt, setzt bei allen beteiligten ein gewisses Maß Verstand voraus.

 

Nun stellt sich die Frage, was steht dem entgegen.

Auf der Ebene der „Menschheit“ die sich aus Eigentum ergebenden Interessen. Dabei ist weniger jenes Eigentum gemeint, das man selbst nutzt (also das ganz „persönliche“), sondern im Wesentlichen nur das expandierende (das „Privateigentum an Produktionsmitteln“, die zum Erwirtschaften von Profit eingesetzt werden).

In dem Moment, in dem ich etwas, was ich zur Vermehrung meines Besitzes Arbeitendes auf einen Markt schicke – egal, ob es um den Verkauf des Produktes geht oder um den Kauf seiner nicht in meinem Besitz befindlichen Vorstufen – sind alle anderen „Marktteilnehmer“ meine Gegner, also objektiv, von meinen persönlichen Wünschen unabhängig. Kooperation kann für mich nur Mittel zum Besiegen eines Teils dieser Gegnerschaft sein. Das hat nichts mit meinem Charakter zu tun. Ein Zusammenhang mit individuellem Charakter ist höchstens umgekehrt gegeben: Je konsequenter ich meine Vorteile gegen den Rest der Welt ausschöpfe, umso größer erscheinen meine Chancen, die „Gegner“ zu besiegen.

Diese objektive Schranke betrifft alles, wird zum Grundprinzip des Zusammenlebens. Auch Staaten, deren Aufgabe ja ist, auf ihrem Einflussbereich die selbstzerstörerischen Kräfte dieses allgemeinen Egoismus an der Totalentfaltung zum Chaos zu hindern, unterliegen demselben Druck. Jeder „Marktteilnehmer“ ist versucht, sich in seinem Bereich Rahmenbedingungen zu sichern, die seine Macht zementieren oder erweitern. Objektiv besteht kein Grund, warum ein Luftverschmutzer, der die Erwärmung der Atmosphäre verursacht, Kosten zur Behebung des von ihm verursachten Schadens aufbringen sollte, wenn das die Konkurrenzfähigkeit der eigenen Erzeugnisse mindern könnte, wenn der abzusehende Schaden nur darin besteht, dass ein anderes Land unterm Meer verschwindet oder von mehr Unwettern heimgesucht wird, und er preiswerter ein Gutachten bekommen kann, das ihm seine Unschuld bescheinigt..

Rüstungsgüter werden so lange produziert, sofern sie Profit erbringen – wie jedes anderes „Gut“ auch. Nur ist dies eines jener Sonderfälle, wo sich die Produktion eines Bedarfs in vielfältiger Weise lohnt.

Man sollte den „natürlichen Grad“ Egoismus bei jedem Handeln nicht leugnen, aber äußere Umstände können ihn eben fördern oder in seiner Wirkung dämpfen. Egoismus fördernd wirkt eben, wenn die Gesamtanlage des (wirtschaftlichen) Zusammenlebens auf die Auslese eines jeweils Stärkeren zielt, jeder also um den Erhalt seines Status gegen alle anderen kämpfen muss. Dies ist in einer Gesellschaft gegeben, in der die „Produktionsmittel“ in privatem Eigentum eingebunden sind, durch das Menschen für ihr Überleben gezwungen sind, sich selbst an dieses Eigentum zu verkaufen. Im Gegensatz zum herkömmlichen Marxismus meine ich damit sowohl den Arbeiter, der seine Arbeitskraft verkauft als auch den Besitzer, den sein Eigentum zu einer bestimmten Handlungsweise zwingt, will er bleiben, was er ist.

Ideensammlung Einleitung 1 (3a)

Vielleicht muss man die vier Punkte noch einfacher formulieren:

Also ich billige jedem Menschen sein Lebensrecht zu. Es ist gleich schlimm, ob ein Deutscher oder ein Tschetschene oder ein Hutu stirbt. „Nur“ für sehr nahe Angehörige, wenn diesem Leben ein erfülltes Leben vorausging, wenn dieser MENSCH jedoch vorzeitig starb und dies an etwas, was leicht zu vermeiden gewesen wäre und nur (!) eine Frage der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft ist, dann ist es eine Schande für diese Gesellschaft. Hungers braucht heute weltweit niemand zu sterben. An Kriegen auch nicht. Auch nicht an Seuchen oder Krankheiten, deren Ursachen erkannt und prinzipiell beherrschbar sind.

Wenn ein einzelner Mensch den Tod eines anderen verursacht hat, wird der Sachverhalt bis ins Kleinste untersucht, um diesem Menschen eine seinem erkannten Schuldmaß entsprechende Strafe zuzuteilen. Gegen bestimmte Verkehrsunfallschäden gibt es Airbags. Was dem einen Recht ist ist dem anderen, der VIELE Tode verantwortet, BILLIG?!

Das heißt also, für JEDEN müssen Verhältnisse herrschen, die ihm ermöglichen, ein, nein, SEIN Leben zu leben. Es müssen grundsätzliche, für alle geltende Lebenschancen existieren.

Ich komme später immer wieder darauf zurück: Obwohl ich in Deutschland lebe, kann ich nicht die Augen vor Kriegen in aller Welt verschließen, deren Voraussetzungen beseitigt werden müssen.

Es ist ein Missbrauch des Gedankens, sich als „besseres“ (zivilisierteres) Volk zum Richter über andere aufzuschwingen.

Gleiches gilt für (Ver-)Hungern und (Ver-)Dursten oder (Er-)Frieren.

Schwieriger ist das schon mit der Gesundheit. Gesundheit und eine hohe Lebenserwartung sollten zusammengehören. Es sind Bedingungen für ein möglichst dauerhaftes harmonisches Zusammenleben aller Menschen zu schaffen.

Das korrespondiert mit Punkt 3: Im Normalfall ist es „krank“, wenn jemand äußerliche Abweichungen von Standardvorstellungen eines Körpers als korrekturbedürftig ansieht. Es ist eher eine Nebenform der Konsumkrankheit. Dem steht die Einheit von Selbstachtung und der Achtung der „Anderen“ in ihrem Anderssein gegenüber.

Jeder Mensch sollte es normal ansehen, dass er lernen will, nützlich zu sein, dass er sich anerkannt fühlt, weil er sich individuell entfaltet.

Die erste Voraussetzung dafür ist, alle seine Mitmenschen im Normalfall als vertrauenswürdige Partner ansehen zu können, und in ihnen nicht in erster Linie Konkurrenten um das Recht auf egal was.

Ein wunderbares Modewort ist Nachhaltigkeit. Positiv ausgelegt bedeutete es, so zu wirtschaften, dass nachfolgende Generationen die Erde mindestens in jener Lebensqualität übernehmen können, in der wir sie vorgefunden haben, der Reichtum der Natur nicht real verbraucht ist.

Wahrscheinlich ist es im Detail doch gar nicht so einfach, schon allein „ideale“ menschliche Beziehungen zu fassen. Sie unterliegen nämlich einem Knäuel von konkreten „historischen“ Besonderheiten. Beispiel: Für mich gehörte zum „Recht auf (mein) Leben“ selbstverständlich auch das Selbstbestimmungsrecht auf einen nicht natürlichen Tod bis hin zur Bestimmung, wer mich wie töten könnte. In einer Welt des Besitzes wird diese persönliche moralische Vorstellung aber überlagert von einem möglichen Fremdinteresse an meinem Tod. Wegen einer breiten Grauzone zwischen meinem eventuellen Wunsch nach meinem Sterben (den ich tot ja weder widerrufen noch bestätigen kann), und der Gier meiner Erben auf meinen „Reichtum“ kann es in Zeiten eben solchen Besitzes notwendig sein, dieses Recht auf den Tod zu blockieren, weil es den Missbrauch „produziert“.

Ideensammlung Einleitung 1 (7)

Aber schwer wiegen die Fragen des egoistisch machenden Eigentums durch die Macht, die es dem Eigentümer verleiht.

Es gibt nichts, was von vornherein ausschließlich gut oder schlecht ist. An der Stelle versucht die christliche Moral etwas für simple Gehirne zu versinnbildlichen, indem eben Gott, dem guten Schöpfer, ein grundsätzlich Böses in Gestalt des Teufels gegenüber gestellt wird. Goethe kommt da der Wirklichkeit näher, indem er seinem Teufel in den Mund legt, dass er zwar das Böse wolle, doch das Gute schaffe. Er hätte es auch umgekehrt sagen können.

Ständen wir auf einer Ebene. Jeder hätte von allem gleich viel (wie langweilig), so könnte niemand – nur als Beispiel – einen Politiker im engsten Sinn des Wortes KAUFEN. Verfügt aber ein Teil der Menschheit über eine in Geld messbare Macht von Hunderten Millionen, so kann und wird sie dies sehr wohl tun. Genau wie sie ein wissenschaftliches Institut finanzieren kann und wird, das Begründungen formuliert, die die Tätigkeit des Geldgebers als Lösung aller Menschheitsprobleme erscheinen lässt. Oder eben Zweifler an der Gentechnik oder Mahner vor der Umweltzerstörung als in ihrer geistigen Weltsicht beschränkte Schwarzseher, Einzelgänger usw. diffamieren. Wenigstens den Eindruck erwecken, man könne es so, aber eben auch so sehen.

Und so, wie dies auf der Ebene von Wissenschaft und praktischer Entscheidung erfolgen kann, so vermag ausreichend geballte Macht auch die eigene Meinung zu verbreiten. Da die Zeitungen keine reinen Informationsmittel sein können, mit denen in sich Geld zu verdienen wäre, „gehören“ sie auf verschiedene Weise der Macht. Das kann durch tatsächliche Eigentumsverhältnisse geschehen, das kann dadurch geschehen, dass man lukrative Anzeigen eben nur schaltet, wenn die Zeitung mit ihren Artikeln dem Anzeigenschalter freundliche Artikel bringt (bzw. keine unfreundlichen bringt), das kann durch „Förderung“ bestimmter journalistischer Aufgaben einzelner Journalisten erfolgen … Die Möglichkeiten sind vielfältig. Man kann sich manche kaum vorstellen, aber man kann sich leicht vorstellen, dass jemand, der über eine „Kriegskasse“ von zweitausend Millionen Dollar verfügt, locker zwanzig Millionen aufbringen kann, um freundliche Stimmung im engeren und weiteren Sinn für die eigenen Vorhaben zu verbreiten. Wer eben „nur“ diese zwanzig Millionen insgesamt hat, kann dies nicht – oder nur in seiner Größenordnung.

Jemanden „kaufen“ kann viele Dimensionen haben. Das kann man wörtlich nehmen, das kann Formen annehmen, die man – weil sie so offen sichtbar sind – verbieten kann, das kann auch extrem einfach sein. Man male sich den klugen Kopf aus ärmlichen Verhältnissen vor, der ein privates Stipendium erhält. Klammern wir aus, dass er dafür direkt etwas machen muss …, wer würde sich an Stelle dieses Mannes nicht moralisch gebunden fühlen, demjenigen gegenüber, der ihm eine Chance gab, nicht zu schaden? Das wäre doch schon eine Frage des Anstands!

Das muss also nicht böse und vordergründig gemeint sein. Eine Stiftung, die für Chancenausgleich sorgt …, sorgt praktisch für die Einbindung von „wichtigen Köpfen“ in vorgegebene Machtverhältnisse.

Sprich: Jede Veränderung der Weltentwicklung zu Neuem und Besseren muss mit dem Schnitt der alten Machtmittel verbunden sein. Ob man diesen Vorgang nun „Vergesellschaftung“, „Enteignung“, „progressive Einkommen- / Vermögens-/ Erbschaftssteuer“ oder anders nennt, ist nur eine Frage der Propaganda und der Weltlage.

Ideensammlung Einleitung 1 (6)

Wenn die Naturbedingungen keine Sättigung aller Gruppenmitglieder zulassen, ergeben sich eigene Bedingungen: Auf der einen Seite kann solidarisches und kooperatives Verhalten überlebensnotwendig sein. Ein großes Tier erjagte die Gruppe nur als Gruppe erfolgreich, die Beute konnte aber auch nur die Gruppe als Ganzes auskosten. Relikte der Grundhaltung der auf diese Weise armen Menschen findet man noch in der Gastfreundschaft „natürlicher lebender Gruppen“.

Auf der anderen Seite erwächst aus diesem potentiell allgegenwärtigen Hunger auch der Drang einzelner Individuen, sich aus dieser Fessel zu befreien, Bedingungen zu erreichen, unter denen sie dauerhaft „satt“ wären – auch wenn es die anderen nicht sind.

Dies ist eine natürliche, im Sinne des Selbsterhaltungstriebs vernünftige Verhaltensweise der einzelnen. Ja, es liegt sogar im Interesse der „Arterhaltung“, weil durch diese „Sättigung“ der Kopf dieser Einzelpersonen frei ist für geistigen Fortschritt.

Das macht ja das Denken und Verstehen so schwer: Etwas, was unter Umständen „unmoralisch“ wirkt, ist praktisch für die Menschheit positiv, weil nur so für einige Menschen die Fessel des Nächstliegenden gesprengt wurde.

Wieder müssen wir aufpassen: Das, was eben gerade zu bejahen war, erreicht früher oder später einen dekadenten Punkt. Ohne in den Topf des Marxismus zu greifen, nennen wir es „Verselbständigung“. Die Kopfarbeiter des alten Ägypten nutzten ihre Zeit außer zu viel Brimborium eben auch zum Finden der Zusammenhänge und Voraussage, wann der Nil den Acker fruchtbar macht und sie organisierten das Anlagen von Reserven für Notlagen. Die späten alten Römer verabscheuten Arbeit wie die späten Adligen. Sie beanspruchten Privilegien ohne Leistung, reduzierten ihren Denkhorizont wieder allein auf sich. Wenn dieser Niedergang auf der einen Seite mit der Potenz zur Veränderung einhergeht, kann es zu einer Veränderung kommen.

Die eine Potenz zur Veränderung sind Veränderungen der „Produktivkräfte“, die den Rahmen der (Produktions- / Eigentums-)Verhältnisse sprengen wollen. Wenn also ein „Unternehmer“ (der „Kapitalist“), das Zeug dazu hat, mit von ihm beschäftigten Arbeitern mehr Erzeugnisse auf den „Weltmarkt“ zu werfen, wie die vorigen Meister nicht.

Die andere Schranke ist der vorher erwähnte „Hunger“. Wenn also die vorhandene arbeitende Technik mehr produzieren kann und produziert, als weltweit die Menschen zur Befriedigung aller ihrer wesentlichen Bedürfnisse brauchen. Wenn also nur noch „Hunger“ künstlich produziert wird, damit Menschen in ihren Arbeitsbahnen bleiben. Hier ist sowohl der echte Hunger gemeint, an dem täglich weltweit Millionen Menschen leiden und sterben, aber auch der Konsumismus, dass Leuten eingeredet wird, was sie angeblich alles erwerben müssen, damit die, die das verkaufen wollen, ihren Profit damit machen können. Beide Formen darf man „Armut“ nennen.

Ideensammlung Einleitung 1 (5)

Auf der anderen Seite wird dieser Egoismus beeinflusst durch das Verhältnis zwischen objektivem Umfang von vorhandenen Bedürfnissen und dem gefühlten Grad der Bedürfnisbefriedigung.

Es ist also etwas Anderes, wenn man erlebt, wie „alle“ mit dem Hunger ringen oder ob man selbst hungert, während „der Nachbar“ prasst.

Aber auch, wenn alle elementaren Bedürfnisse erfüllt sind, verändert sich der gefühlte Grad der Bedürfnisbefriedigung in Abhängigkeit von den Menschen, die man als Vergleich heranziehen kann. Dabei ist auch der Maßstab wichtig, den die Gesellschaft an die Art der zu befriedigenden Bedürfnisse anlegt. Man kann sich natürlich über eine „Konsumgesellschaft“ aufregen. Es ist aber müßig und eigentlich nur für konservative Kirchgänger ein Predigtthema. Praktisch erwächst diese „Konsumgesellschaft“ aus dem Maßstab, sich für Geld etwas leisten zu können, sich also für viel Geld viel leisten zu können. Oder umgekehrt: Die Bedeutung des Besitzes eines Gutes erwächst bei dem Besitzer wie beim Nichtbesitzer aus dem Faktum, dass es eben auch Nichtbesitzer gibt / geben muss. Ich will ja nicht bestreiten, dass auch eine Sachfunktion eine Rolle spielt, also dass man mit einem Handy eben mobil telefonieren und gegebenenfalls fotografieren oder filmen kann. Dafür aber müsste es eben kein Markenhandy sein.

Das Mantafahrerhirn, das den dicken Schlitten vorführt als virtuelle Penisverlängerung des Ich-kriege-alle-rum-Mannes, beruht eben auf dem Wissen, dass „die Anderen“ nicht können, was es kann. So fällt eben nicht so auf, dass Karl Protz die Zeichenketten in einem Buch kaum zu entschlüsseln vermag, weshalb er auch doof findet, wenn jemand lesen kann.

Könnte sich jeder den großen Wagen leisten, bekäme automatisch die Lesefähigkeit des Fahrers einen anderen (höheren) Rang. Das sich im Moment eben nur wenige einen Sportwagen leisten können, mag man wegen des Protzgehabes zwar die Nase rümpfen, aber der Mann kann es sich eben leisten.

Ideensammlung Einleitung 1 (4)

Auf die Frage, wie eine Gemeinschaft beschaffen sein soll, um unsere vier Zielstellungen nachhaltig anzustreben, gibt es eine Vielzahl unterschiedlich genauer Antworten.

Die genauest mögliche Antwort erscheint mir folgende zu sein:

Auf der Erde dürfen möglichst wenige Menschen leben, deren persönliches Interesse jenen vier Zielen widerspricht UND die eine Macht auf sich konzentrieren können, ihre eigenen Gegeninteressen durchzusetzen.

Auf den ersten Blick erscheint das unlösbar, weil es eine Auseinandersetzung mit menschlichem Egoismus darstellt. Egoismus ist aber eine Form des menschlichen Selbsterhaltungstriebs. Der aber ist natürlich und unendlich.

Egoismus ist aber eben nur EINE Form des Selbsterhaltungstriebs. Mit der Entwicklung des Verstandes wachsen die Potenzen der zweiten Form, nämlich der symbiotischen Kooperation. Wenn ich dazu beitrage, dass es dir besser geht, hast du tendenziell weniger Grund zu Handlungen, durch die es mir schlechter ginge. Immer neue Einigungen zum gegenseitigen Vorteil.

Nun stellt sich die Frage, was steht dem entgegen.

Auf der Ebene der „Menschheit“ die sich aus Eigentum ergebenden Interessen. Wenig die eines selbstnutzenden Eigentums, mehr die des expandierenden.

In dem Moment, in dem ich etwas, was ich zur Vermehrung meines Besitzes Arbeitendes auf einen Markt schicke – egal, ob es um den Verkauf des Produktes geht oder um den Kauf seiner nicht in meinem Besitz befindlichen Vorstufen – sind alle anderen „Marktteilnehmer“ meine objektiven, also von meinen persönlichen Wünschen unabhängigen Gegner. Kooperation kann für mich nur Mittel zum Besiegen eines Teils dieser Gegnerschaft sein. Das hat nichts mit meinem Charakter zu tun. Ein Zusammenhang mit individuellem Charakter ist höchstens umgekehrt gegeben: Je konsequenter ich meine Vorteile gegen den Rest der Welt ausschöpfe, umso größer erscheinen meine Chancen, die „Gegner“ zu besiegen.

Diese objektive Schranke betrifft alles, wird zum Grundprinzip des Zusammenlebens. Auch Staaten, deren Aufgabe ja ist, auf ihrem Einflussbereich die selbstzerstörerischen Kräfte dieses allgemeinen Egoismus an der Totalentfaltung zum Chaos zu hindern, unterliegen demselben Druck. Jeder versucht, den Mächtigen aus seinem Bereich Rahmenbedingungen zu sichern, die ihre Macht zementieren oder erweitern. Objektiv besteht kein Grund, warum ein Luftverschmutzer, der die Erwärmung der Atmosphäre verursacht, Kosten zur Behebung des Schadens , die die Konkurrenzfähigkeit der eigenen Erzeugnisse mindern könnten, aufbringen sollte, wenn der abzusehende Schaden nur darin besteht, dass ein anderes Land unterm Meer verschwindet oder von mehr Unwettern heimgesucht wird.

Rüstungsgüter werden so lange produziert, sofern sie Profit erbringen – wie jedes anderes „Gut“ auch. Nur ist dies eines jener Sonderfälle, wo sich die Produktion eines Bedarfs in vielfältiger Weise lohnt.

Man sollte den „natürlichen Grad“ Egoismus nicht leugnen, aber äußere Umstände können ihn eben fördern oder in seiner Wirkung dämpfen. Egoismus fördernd wirkt also eine solche Gesamtanlage des (wirtschaftlichen) Zusammenlebens, die auf die Auslese eines jeweils Stärkeren zielt, in der jeder um den Erhalt seines Status gegen alle anderen kämpfen muss. Dies ist in einer Gesellschaft gegeben, in der die „Produktionsmittel“ in privatem Eigentum eingebunden sind, durch das Menschen für ihr Überleben gezwungen sind, sich selbst an dieses Eigentum zu verkaufen. Im Gegensatz zum herkömmlichen Marxismus meine ich damit sowohl den Arbeiter, der seine Arbeitskraft verkauft als auch den Besitzer, den sein Eigentum zu einer bestimmten Handlungsweise zwingt, will er bleiben, was er ist.

Ideensammlung Einleitung 1 (3)

Um die Punkte noch einfacher zu formulieren: Jedem Menschen billige ich sein Lebensrecht zu. Das heißt also, für JEDEN müssen Verhältnisse herrschen, die dies ermöglichen. Ich komme später immer wieder darauf zurück: Obwohl ich in Deutschland lebe, kann ich nicht die Augen vor Kriegen in aller Welt verschließen, deren Voraussetzungen beseitigt werden müssen. Gleiches gilt für (Ver-)Hungern und (Ver-)Dursten oder (Er-)Frieren.

Schwieriger ist das schon mit der Gesundheit. Gesundheit und eine hohe Lebenserwartung sollten zusammengehören. Es sind Bedingungen für ein möglichst dauerhaftes harmonisches Zusammenleben aller Menschen zu schaffen.

Das korrespondiert mit Punkt 3: Im Normalfall ist es „krank“, wenn jemand körperliche Abweichungen von Standardvorstellungen eines Körpers als korrekturbedürftig ansieht. Es ist eher eine Nebenform der Konsumkrankheit. Dem steht die Einheit von Selbstachtung und der Achtung der „Anderen“ in ihrem Anderssein gegenüber.

Jeder Mensch sollte es normal ansehen, dass er lernen will, nützlich zu sein, dass er sich anerkannt fühlt, weil er sich individuell entfaltet.

Die erste Voraussetzung dafür ist, alle seine Mitmenschen im Normalfall als vertrauenswürdige Partner ansehen zu können, und in ihnen nicht in erster Linie Konkurrenten um das Recht auf egal was.

Ein wunderbares Modewort ist Nachhaltigkeit. Positiv ausgelegt bedeutete es, so zu wirtschaften, dass nachfolgende Generationen die Erde mindestens in jener Lebensqualität übernehmen können, in der wir sie vorgefunden haben, der Reichtum der Natur nicht real verbraucht ist.

Ideensammlung Einleitung 1 (2)

Nun bin ich sicher einer von jener großen Zahl Menschen, denen man nicht (mehr) zumuten kann, mit „Revolution!“-Gebrüll auf den Lippen und der Maschinenpistole in den Armen loszulaufen, die Welt zu retten. Dabei ist gleichgültig, ob dabei als Ergebnis ein Plätzchen im Hochsicherheitsknast oder in der Klapsmühle herauskommt. Wer macht sich schon gern lächerlich.

Es ist mein Schicksal. Es höre es noch ganz deutlich, wie mir einmal jemand sagte: “Wir brauchen Macher!“ und ich bin keiner. Ich kann nur tun, was ICH tun kann. In meinem Fall ist das hoffentlich das Schreiben von Büchern. Also eben meine. Eigentlich wäre eine Kernfrage fast beantwortet:

Wir wären eben weiter, wenn jeder wirklich das täte, was er kann, um unseren Planeten zu einer lebenswerteren Welt zu machen. Und da geht wirklich viel.

Ich schlage dabei eine bestimmte Reihenfolge vor, nicht weil sie die philosophisch oder aus anderen Gründen die einzig richtige wäre, sondern weil sie mir als die am vernünftigsten machbare erscheint.

Auf die Gefahr hin, von dogmatischen „Marxisten“ verdammt zu werden, schlage ich als Schritt 1 jedem Interessierten vor, mit sich selbst und den ihm persönlich am nächsten stehenden Menschen einig zu werden über das Ideal, das es anzustreben gilt. Ich habe das für mich bereits in „Gemeinschaft der Glückssüchtigen“ angesprochen, will es hier aber noch einmal konzentriert zusammenfassen:

  1. Jeder Mensch darf auf seine, andere Menschen nicht schädigende Weise leben.
  2. Jedem Menschen kommt in der Summe seiner höchstmöglichen Lebenszeit ein Höchstmaß an selbst empfundener Gesundheit zu.
  3. Jedem Menschen stehen Bedingungen zu, unter denen er sich vielseitig entwickelt als – wie alle anderen auch – einmaligen, besonders geachteten und anerkanntes Mitglied einer kreativen Gemeinschaft erkennen kann.
  4. Allen Menschen steht eine Umwelt zu, die reichhaltig ist in ihren Formen und dauerhaft in einer harmonischen Existenz – in Gegenwart und Zukunft. 

Eine Gesellschaft, die es schafft, diese vier Grundsätze für jeden einzelnen Menschen praktisch zu gewährleisten, sollte angestrebt werden.

Wir müssen uns darüber verständigen, welche Merkmale eine Gesellschaft haben müsste, um diese Aufgaben am besten zu erfüllen. (Dass keine Gesellschaftsform diesen Ansprüchen uneingeschränkt entsprechen kann, sollte selbstverständlich sein. Aber kein Fahrzeug kann einem Ziel näher kommen, dass es nicht ansteuert.)